HumanIThesia
Willkommen, Besucher
Bitte anmelden oder registrieren.    Passwort vergessen?
Führung als Lebensqualität? Eine Hypothese
(1 Leser) 1 Besucher
Zum Ende gehen
THEMA: Führung als Lebensqualität? Eine Hypothese
#15
ALorenz
Moderator
Beiträge: 13
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
Führung als Lebensqualität? Eine Hypothese vor 1 Jahr, 7 Monaten  
Es ist einsichtig, dass gute Führung im Vergleich zu schlechter Führung als Teil der Lebensqualität gesehen werden kann: Arbeit macht einen großen Teil des Lebens aus, seine Arbeit zu mögen und sich bei der Arbeit wohlzufühlen ist also wichtig. Und während ein guter Vorgesetzter dafür sorgen kann, dass man sich produktiv und wichtig fühlt und zwischen Kollegen ein gutes Klima herrscht, resultieren aus schlechter Führung leicht Misserfolge und persönliche Spannungen. Aber wieso sollte das bloße Vorhandensein von (guter) Führung die Lebensqualität erhöhen? Anweisungen entgegennehmen zu müssen, läuft dem Freiheitsdrang, den vielen Menschen verspüren, doch zuwider und schränkt die Handlungsmöglichkeiten ein. Was gewinnt man aber dadurch?

Mehreres, zumindest der Hypothese nach, die ich hier aufstellen möchte. Zum einen gewinnt ein Untergebener Sicherheit. Wenn die Entscheidung des Vorgesetzten falsch war, kann man den Untergebenen dafür in der Regel nicht verantwortlich machen. Es drohen also keine direkten Konsequenzen aus den Fehlentscheidungen, man sinkt auch nicht im Ansehen seines sozialen Umfelds und muss sich selbst nichts vorwerfen. Man ist also vor den sozialen Folgen von Fehlentscheidungen geschützt - weil man keine Entscheidungen zu treffen hat.

Ein weiterer Punkt ist Konfliktvermeidung. Wer sich unter eine Führung unterordnet, gerät nicht in Konflikt mit denen, die führen wollen. Es bedarf keiner Diskussion und keines Streites um die Richtung, die eingeschlagen werden soll, Anspannungen werden vermieden. und um eine Führungsrolle zu kämpfen ist mühsam.

Der dritte Punkt ist die Vermeidung von Anstrengung. Wie jedes Lebewesen ist der Mensch instinktiv darauf ausgerichtet, unnötige Anstrengung zu vermeiden - die Energie kann schließlich sinnvoll investiert werden. Dieser Standpunkt mag biologistisch klingen, befindet sich aber im Einklang sich aber mit psychologischen Forschungsergebnissen, denen zufolge Menschen von zwei Alternativen eher diejenige meiden, die mit einer Entscheidung verbunden ist. Eine Entscheidung zu treffen bedeutet, Energie in Nachdenken zu investieren, unter Umständen auch in längere Nachforschungen. Außerdem muss der, der eine Entscheidung trifft, mit der Angst leben, vielleicht eine Fehlentscheidung getroffen zu haben. Angst ist aber ebenfalls ein Gefühl, dass der Mensch in Normalfall meidet.

Was ist Ihre Meinung? Ist Führung ein Beitrag zu höherer Lebensqualität? Wenn ja, warum? Teilen Sie Ihre Überlegungen mit uns!
 
Gespeichert Gespeichert
  Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
#20
HeidiHeilmann
Neumitglied
Beiträge: 1
graphgraph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
Aw: Führung als Lebensqualität? Eine Hypothese vor 1 Jahr, 6 Monaten  
Nichts gegen die in der Hypothese zur "Führung als Lebensqualität" aufgeführten Gründe, nur decken sie aus meiner Sicht nur einen kleinen Teil des Einflusses guter Führung auf die Lebensqualität ab!

Viel mehr kommt es darauf an, durch welche Eigenschaften sich gute Führung auszeichnet (dazu gibt es viele Quellen): Ein guter Vorgesetzter lässt seinen Mitarbeitern im Rahmen von deren Fähigkeiten Freiheitsspielraum, er gibt Ihnen Ziele und nicht unbedingt detaillierte Wege zur Zielerreichung vor und er misst die Ergebnisse an der (notfalls korrigierbaren) Zielerreichung.

Oder: Gegen Angriffe von außen stellt er sich vor seine Mitarbeiter und unterstützt sie. Fehler -die Menschen nie ganz vermeiden können- toleriert er (in positionsabhängigen Grenzen natürlich), seinen Mitarbeitern darf auch einmal ein Fehler unterlaufen, er gibt ihnen weitere Chancen.

Oder: Er blockiert mögliche Karrieren seiner Mitarbeiter im Unternehmen nicht (was für ihn oft bequemer wäre!), sondern unterstützt sie dabei, ihren Fähigkeiten angemessene bessere Positionen zu erreichen.

Ausgehend von den Merkmalen guter, kooperativer Führung ließen sich weitere Beispiele ausführen.
Heidi Heilmann
 
Gespeichert Gespeichert
  Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
#21
Moerike
Moderator
Beiträge: 11
graphgraph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
Geschlecht: männlich www.moerike.net Michael Michael Ort: Heidenheim Geburtstag: 04.01
Aw: Führung als Lebensqualität? Eine Hypothese vor 1 Jahr, 6 Monaten  
Führung als Lebensqualität?
Eine schlechte Führung bewirkt oft, dass die geführten dagegen rebellieren. Eine gute Führung kann - wie von den bisherigen Diskutanten oben erwähnt - auf vielfältige Art die Lebensqualität erhöhen. Aber alleine die Tatsache, dass es eine Führung gibt, eine Führung durch Menschen ist eine Lebensqualität an sich. Ich bin der Meinung, dass dieses Bedürfnis oft auch von den Religionen befriedigt wird. Gott der Herr hat mir befohlen, also tu ichs. Wie bitte? Darf das wahr sein? Ja, es ist wahr und zeigt, wie stark sich Menschen eine Führung wünschen, hauptsächlich und vordringlich dann, wenn schwierige Verhältnisse vorliegen. Die Führung von Religionen ist meist entlang von - in der Gesellschaft anerkannten - Werten, die dann von den Religionsführern vertreten und im Einzelfall ausgelegt werden. Sie findet man aber auch bei radikalen Gruppen und auch dort wird die Führung der verwirrten durch einen meist ebenfalls fehlgeleiteten Anführer von den Geführten (meist weniger gebildeten) als wohltuend und heilsbringend empfunden. Solche Leute sehnen sich nach Führung und empfinden Führung an sich als Lebensqualität. Was zeigt uns das? Führung (oder deren Existenz) an sich ist eine Lebensqualität, die die Menschen mehr oder weniger schätzen.
 
Gespeichert Gespeichert
  Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
#22
ALorenz
Moderator
Beiträge: 13
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
Aw: Führung als Lebensqualität? Eine Hypothese vor 1 Jahr, 6 Monaten  
Ich stimme zu. Darauf wollte ich eigentlich auch hinaus. Beim nochmaligen Durchlesen meines Eingangspostings fällt mir aber auf, dass es missverständlich ist und so klingt, als wollte ich die von mir erwähnten Vorteile nur guter Führung und nicht jeder Art von Führung zuschreiben.

Tatsache ist, dass die von mir eingangs genannten Punkte - Sicherheit, Konfliktvermeidung, Vermeidung von Anstrengung und Angst - meines Erachtens Resultate jeder Art von Führung sind, auch von schlechter. Schlechte Führung bringt allerdings häufig genug Nachteile mit sich, um die Vorteile aufzuheben.

Religion ist insofern ein besonders interessantes Beispiel, als dass zumindest Sicherheit und die Vermeidung von Angst auch von dem weltanschaulichen Gebäude selbst vermittelt werden und nicht nur von der Führung. Auch die Vermeidung von (geistiger) Anstrengung ist eine Option, die von Religion angeboten wird: Man hat als Glaubender die Möglichkeit, eine vorgegebene Erklärung für die Welt zu akzeptieren, ohne weiter nachzudenken. Die Option muss aber keineswegs angenommen werden, im Gegenteil gibt das religiöse Weltbild auch Anlass zu großen geistigen Anstrengungen - das klassische Beispiel hierfür ist m.E. das Theodizeeproblem.
 
Gespeichert Gespeichert
  Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
Zum Anfang gehen