Freie Netze, freies Wissen Drucken E-Mail
Geschrieben von: Leonhard Dobusch   
Samstag, den 10. April 2010 um 07:08 Uhr

Im Sammelband „Freie Netze. Freies Wissen“, herausgegeben von Leonhard Dobusch (Postdoc an der Freien Universität Berlin) und Christian Forsterleitner (Gemeinderat in Linz), beleuchten siebzehn durchwegs junge Autorinnen und Autoren die Chancen und Potentiale digitaler Technik für eine offene und freie Gesellschaft. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf der kommunalen Ebene, versteht sich der Band doch als Beitrag zum Europäischen Kulturhauptstadtjahr Linz 2009. Dem Titel entsprechend teilen sämtliche Beiträge folgende Grundannahmen:

Freie Netze. Noch nie war es einfacher, Menschen und ihr Wissen in Form von Texten, Bildern oder Tönen zusammenzubringen und zu vernetzen. Freie Netze sind der Versuch, dieses Potential von Internet und PC auszuschöpfen und möglichst alle Menschen daran teilhaben zu lassen.

Freies Wissen. Der Zugang zu digitalen Netzen bedeutet noch nicht den Zugang zu Inhalten. Ein freier Zugang zu Wissen ist aber die Basis für Innovation und Emanzipation. Den neuen Möglichkeiten für freien Zugang zu Wissen stehen neue und alte, soziale und rechtliche Barrieren gegenüber.

Konkret beschäftigen sich die einzelnen Kapitel des Bandes mit Themen wie offenen und kommunalen WLAN-Netzen, alternativen Urheberrechtslizenzen (Creative Commons) zur Förderung digitaler Kreativität, freien Kursunterlagen („Open Courseware“), Open Source Software, den Potentialen von Blogs und Wikis für Kunst und Kultur sowie den Chancen für bessere Forschung durch „Open Access“.

Nach den möglichst allgemein verständlich gehaltenen Beiträgen der AutorInnen, kommen in jedem der neun Kapitel in Interviews Menschen wie Lawrence Lessig oder Richard Stallman zu Wort, die mit den Themen als ExpertInnen, PionierInnen oder unmittelbar Betroffene zu tun hatten oder haben.

Um schließlich dem kommunalpolitischen Fokus des Bandes für die Stadt Linz gerecht zu werden, finden sich am Ende jedes Kapitels konkrete Projektvorschläge zur Umsetzung auf lokaler Ebene. Einige dieser insgesamt 24 Projekvorschläge wurden bzw. werden inzwischen auch im Rahmen des Konzeptes „Wissensraum Linz“ realisiert, das aus diesem Buchprojekt hervorgegangen und im September 2008 im Hauptprogramm der „Ars Electronica“ zum Thema „A New Digital Economy“ präsentiert worden ist. So gelten beispielsweise seit 1. Januar 2009 in Linz neue Kulturförderrichtlinien, die eine zehnprozentige Bonusförderung für Werke vorsehen, die unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden. Dadurch soll die Nutzung der Potentiale digitaler Technologien mittels Remix und Mashup gefördert werden. Ein weiteres kürzlich vom Linzer Gemeinderat beschlossenes Projekt sieht die Schaffung digital-öffentlichen Raumes in Form eines „Public Space Servers“ vor, der allen LinzerInnen einen Rechtsanspruch auf Webspace zur völlig freien Nutzung zugesteht.

Die Umsetzung der im Buch vorgeschlagenen Projekte wird wiederum in einem Blog zum Buch unter www.freienetze.at begleitet, wo auch eine erste Zwischenbilanz über Rezeption des Buches sowie den Stand der einzelnen Projekte verfügbar ist. Ausführliche, bebilderte Unterlagen hier.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 14:39 Uhr