Open Access - eine differenzierte Betrachtung ist notwendig Drucken E-Mail
Geschrieben von: Hans-Dieter Zimmermann   
Donnerstag, den 05. November 2009 um 10:11 Uhr

Die Diskussion rund um Open Access Publishing wird sehr intensiv, aber häufig auch sehr emotional, ja gar dogmatisch geführt. Befürworter wie Gegner dramatisieren häufig die Folgen, betrachtet aus der jeweiligen Perspektive (vgl. z.B. Zimmermann, 2009; Reuss, 2009). Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Open-Access-Debatte häufig pauschalierend geführt wird, und nicht die Situation verschiedener Disziplinen, ggf. in verschiedenen länderspezifischen Kontexten, berücksichtig wird.

Die sog. Zeitschriftenkrise wird allgemein als Auslöser der OA-Debatte betrachtet. Die empirischen Befunde insbesondere aus dem Bereich STM (Science, Technology, Medicine) werden dabei häufig verallgemeinert. Dazu kommt, dass letztendlich eine Reihe weiterer Faktoren zu grundsätzlichen Veränderungen des Ökosystems wissenschaftlicher Publikationen führen (Mierzejewska, 2008).

Betrachtet man aber z.B. die Ausgangslage im Bereich der Rechtswissenschaften, so entdeckt man markante Unterschiede gerade zu den STM Disziplinen oder den Sozialwissenschaften, mit denen die Rechtswissenschaften oft zusammen betrachtet werden. Wichtige Eigenheiten sind u.a. die Besonderheit von Rechtsdaten als Gegenstand des wissenschaftlichen Publizierens, die primär nationale Ausrichtung der Märkte, die klar mittelständisch und national geprägte Struktur rechtswissenschaftlicher Verlage, das weitgehende Fehlen einer Zeitschriftenkrise oder die Rolle der wissenschaftlichen Publikationen im Hochschulbereich. Auch die Welt des wissenschaftlichen Publizierens in den Rechtswissenschaften verändert sich, aber mit den kaum differenzierten Argumenten der OA-Debatte erweist man zumindest den Rechtswissenschaften keinen Dienst.

Die Perspektive der Geschichtswissenschaften wird z.B. in (Landes, 2009) aufgezeigt.

Im vorliegenden Beitrag (pdf), der an den Open Access Tagen im Oktober 2009 in Konstanz präsentiert wurde, wird versucht, eine differenzierte Diskussion unter der Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedürfnisse und Ausgangslagen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu führen. Neben einer Studie zum Thema des Beitrags im Kontext der Rechtwissenschaften wird eine Bachelorarbeit im Studiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur in den Beitrag einfliessen, welche im Sommer 2009 fertiggestellt wird.

Hans-Dieter Zimmermann, Jan. 2010

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 01. September 2010 um 12:09 Uhr