Bilddarstellung für blinde Menschen Drucken E-Mail
Geschrieben von: Achim Lorenz   
Donnerstag, den 22. Juli 2010 um 08:00 Uhr

Die Barrierefreiheit des Internets - also die Zugänglichkeit des Internets für Menschen mit Behinderungen - ist seit Jahren ein großes Thema: Schließlich nutzen in Deutschland 80% aller Menschen mit Behinderungen das Internet. Bereits seit 2002 sind die Organe des Bundes verpflichtet, ihre Internetauftritte barrierefrei zu erstellen. Durch Sprachausgabe oder die Textausgabe in Brailleschrift können sogar Blinde das World Wide Web weitgehend nutzen, in Bilder enthaltene Informationen sind allerdings oft ein Problem. Der Informatiker Dr. Martin Rotard von der Universität Stuttgart hat dafür eine Lösung entwickelt, die auf dem Einsatz sogenannter skalierbarer Vektorgrafiken (SVG) beruht.


Herkömmliche Grafiken (sog. Rastergrafiken) sind für den Computer eine Ansammlung verschiedenfarbiger Bildpunkte ohne logische Struktur. Sie können zwar in tastbare Form ausgegeben werden, müssen dafür aber in Schwarz-Weiß-Bilder umgewandelt werden, da die Darstellung für Blinde nur zwischen tastbar und nicht tastbar unterscheiden kann. Bei dieser Umwandlung sind die einzelnen Elemente des Bildes oft nicht mehr wahrnehmbar, so dass der Informationsgehalt ganz oder teilweise verlorengeht.


Im Unterschied dazu sind skalierbare Vektorgrafiken (SVG) eine Beschreibung der einzelnen Komponenten eines Bildes. Diese Komponenten können bei korrekter Ausgabe auf einem abtastbaren (taktilen) Feld vom Blinden wahrgenommen und gedanklich wieder zum Gesamtbild zusammengesetzt werden. Ein weiterer Vorteil der SVG ist die mühelose Übertragbarkeit in eine andere Größe, ohne dass das Bild dabei unscharf wird - ebenfalls von Bedeutung für die Ausgabe auf taktile Felder. Rotard hat auf dieser Grundlage auch den Prototypen eines taktilen Webbrowsers entwickelt, der in einem gewissen Maß sogar konventionelle Rastergrafiken für Blinde erfahrbar macht.


Durch ihre logische Struktur können SVG auch für eine andere Entwicklung eingesetzt werden, an der Rotard beteiligt war: Einem Werkzeug, das aus in geeigneten Dateiformaten vorliegenden Lehrmaterialien einzelne Komponenten extrahieren kann. Auf diese Weise entsteht eine Bibliothek solcher Komponenten, aus denen dann automatisch neue Lehrmaterialien erstellt werden können, die auf die Bedürfnisse des Lernenden abgestimmt sind.

Die Dissertation Dr. Rotards, aus der diese Entwicklungen stammen, wurde mit dem Wolfgang-Heilmann-Preis 2006 ausgezeichnet. Weitere Informationen können Sie einer Präsentation zu den Inhalten der Arbeit entnehmen, die ganze Arbeit kann von auf den Seiten der Universität Stuttgart abgerufen werden.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 14:36 Uhr