Wie man Wissen bedarfsgerecht verwaltet - Ontologien in der Informatik Drucken E-Mail
Geschrieben von: Achim Lorenz   
Donnerstag, den 27. Mai 2010 um 15:08 Uhr

Information ist unserer Gesellschaft in den meisten Belangen kein knappes Gut mehr, wohl aber die Zeit, um aus einem großen Berg an Daten die wichtigen Fakten herauszufiltern. Damit tritt neben der Ansammlung von Wissen die effiziente Verwaltung in den Vordergrund - ein eigener Aufgabenbereich, der als Wissensmanagement bezeichnet wird. Dokumente oder Dateien schnell wiederzufinden, ist dabei nur ein erster Schritt: Die Schriftstücke sollen dem Nutzer gleichzeitig als Informationsquelle und als präzise Wegweiser zu anderen Texten dienen, in denen er weiteres relevantes Wissen findet.

Ein Werkzeug, das Informationstechnologien dazu nutzen können und das eine Gruppe um Prof. Studer von der Universität in Karlsruhe ausgiebig untersucht hat, ist die Ontologie. In der Informatik steht die Ontologie für ein Schema, das Begriffe und Sachverhalte eines Themengebietes miteinander verknüpft und in logische Beziehung zueinander setzt, ähnlich einer Mind Map. Mit Hilfe von Ontologien kann ein Computer z.B. bei einer Suche nach einem bestimmten Unternehmen nicht nur Informationen über das Unternehmen selbst anbieten, sondern auch auf Produkte, Konkurrenten und deren Produkte, allgemeine Marktlage und technische Entwicklungen im Marktsegment des Unternehmens verweisen. Gleichzeitig ist der Computer in der Lage, auf Basis logischer Bedingungen aus den Verknüpfungen Schlussfolgerungen zu ziehen und die Ontologie damit zu erweitern.

Die Karlsruher Forscher entwickelten auf Basis ihrer theoretischen Studien eine Ontologie für eine konkrete Fragestellung (Bewertung der technischen Ausrichtung von Unternehmen aus der IT- und Kommunikationsbranche) sowie passende Werkzeuge für die Verknüpfung der Daten untereinander. So können zum Beispiel über ein Zusatzprogramm Textpassagen mit Schlagwörtern annotiert werden, so dass am Ende die Suche nach dem Schlagwort alle entsprechenden Passagen liefert. Außerdem wird bei entsprechenden Textpassagen auf ähnliche Informationen in anderen Dokumenten verwiesen. Jeder weitere Leser findet also schnell die relevanten Informationen, ohne mehrere komplette Text durchsuchen zu müssen.

Aus den Erkenntnissen und Entwicklungen der Forscher ist die Firma ontoprise hervorgegangen, das mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigt und namhafte Unternehmen zu seinen Kunden zählen kann. Genaure Informationen über die Entwicklungen der Forscher zu Ontologien können Sie in der wissenschaftlichen Veröffentlichung nachlesen, die mit dem Wolfgang-Heilmann-Preis 2001/02 ausgezeichnet wurde.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 14:42 Uhr