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Wir haben 2 Gäste online| Gefahren durch die Suchmaschine Google - eine Studie |
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| Geschrieben von: Achim Lorenz | |||
| Donnerstag, den 01. Juli 2010 um 11:27 Uhr | |||
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Mit einem Marktanteil von weltweit über 80% ist Google geradezu zum Synonym für die Suchmaschine schlechthin geworden. "Googeln" hat als Begriff für die Suche im Internet Eingang in den Duden gefunden. Als größter Werbeanbieter im Internet erzielte Google 2009 einen Gewinn von 6,5 Mrd. Dollar, durch diverse Such- und Analysesoftware verfügt Google über einen unglaublichen Schatz von Daten. Doch genau aus diesen Gründen steht Google mehr und mehr in der Kritik: Datenschützer warnen, dass Google tiefe Einblicke in die Privatsphäre vieler Internetnutzer nehmen kann, die sich im Internet anonym wähnen. Der namhafte Informatikprofessor und Autor Hermann Maurer hat gemeinsam mit Kollegen aus mehreren ihrer wissenschaftlichen Artikel eine Studie über die Gefahren und auch Chancen großer Suchmaschinen am konkreten Beispiel von Google zusammengestellt. Am Anfang der Studie stand die Betrachtung der Verletzung geistigen Eigentums und des Plagiierens im Universitätsbetrieb, vor allem unter Studenten, weswegen sich ein großer Teil der Studie mit dieser Problematik befasst. Mehrere Abschnitte konzentrieren sich aber vor allem auf die Möglichkeiten automatisierter Datensammlungen im Internet sowie die Gefahren für Privatsphäre und die Gesellschaft insgesamt - und schlagen Maßnahmen vor. Die Studie ist im September 2007 entstanden, beim Lesen wird jedoch deutlich, dass sich die Problematik kaum verändert hat. In Einleitung und Abschnitt 1 führt der Autor aus, dass Google sehr viele Informationen über sehr viele Menschen besitzt, ohne in der Nutzung dieser Daten gesetzlich ähnlich eingeschränkt zu sein wie Rechtsstaaten. Da Google eine Aktiengesellschaft ist, kann man davon ausgehen, dass das Unternehmen von Aktionärsinteressen geleitet wird, und die Daten eher gewinn- als gemeinwohlorientiert nutzen wird. Gleichzeitig führt das Quasi-Monopol von Google als Suchmaschine dazu, dass unsere Informationen eher von den Quellen stammen, die bei der Google-Suche als erste Treffer angezeigt werden. Google ist damit in gewissem Maß ein Torwächter zu den Informationen des Internets - und Google China hat gezeigt, dass Google Webseiten danach ordnen kann, welche Meinung sie vertreten. Die Frage tritt also auf, ob Google irgendwann Rankings gegen Bezahlung manipulieren wird. Die Gefahren, die von Google ausgehen können, werden in weiteren Teilen (Abschnitt 7 sowie Anhang 4) genauer thematisiert: Als Inhaber einer auch von Konkurrenten hochgelobten und extrem erfolgreichen Suchmaschine verfügt das Unternehmen Google über große finanzielle Ressourcen und aufgrund seiner Anziehungskraft auch über hochqualifizierte Mitarbeiter. Diese nutzt es, um unter anderen Firmen mit interessanter Software aufzukaufen und in das Netz aus Google-Diensten einzubinden, wie es beispielsweise mit dem späteren Google Earth geschehen ist. Als dominierende Suchmaschine kann es seine eigenen Internetdienste fördern, die durch ihre Verknüpfung untereinander auch bequemer zu nutzen sind. Durch viele Nutzer erhält es viele wertvolle Daten - Daten, die man Personen namentlich zuordnen kann, wie die New York Times anhand von AOL veröffentlichter Nutzerdaten aufgezeigt hat. Die Studie argumentiert weiter (Abschnitt 12), dass Information und der Zugang zu ihr einen wichtigen Teil der Infrastruktur ausmachen und dass ein Internetzugang in Kombination mit einer hochwertigen Suchmaschine den Zugang zu Informationen beträchtlich erhöht. An Beispielen aus den Bereichen der Wasser-, Energie- und Gesundheitsversorgung wird auseinandergesetzt, wieso eine Grundversorgung mit Infrastruktur in öffentlicher Hand sein sollte. Daraus ergibt sich für die Autoren die Schlussfolgerung, dass die öffentliche Hand einen Zugang zu Informationen im Internet anbieten sollte, der unabhängig von Profitinteressen ist. Maurer und seine Kollegen zeigen verschiedene Wege auf, Google besser zu kontrollieren und Datenschutz zu gewährleisten (Abschnitte 7 und 11): Neben gesetzlichen Regulierungen könnte auch die erzwungene Aufspaltung des Unternehmens in Einzelunternehmen (Suchmaschine, Google Earth, Google Mail etc.) eine Lösung sein. Als bevorzugte Variante empfehlen sie aber den staatlich finanzierten Aufbau einer größeren Zahl an spezialisierten Suchmaschinen, die durch ihre Spezialisierung Google auf den einzelnen Gebieten überlegen sein könnten. Nach einer Phase der Etablierung könnte man die Suchmaschinen unter einem Dach zusammenfassen, ohne dass sie ihre Eigenständigkeit und Spezialisierung aufgeben würden. Ebenfalls angesprochen werden Chancen und Risiken des Data Mining, des automatisierten Überprüfens von Datensätzen auf Muster (Abschnitt 8, Anhang 5). Im Gegensatz zu einer normalen Suchmaschine, die prinzipiell ein Schlagwortverzeichnis darstellt, fördert Data Mining bislang unbekannte Zusammenhänge zutage. Bereits heute werden so anhand von Veränderungen im Nutzungsprofil bei Kreditkarten Betrugsfälle aufgedeckt. Aus einer Datenbank über plötzliche Herztode ließen sich Gemeinsamkeiten in der Lebensweise der Patienten ausfindig machen. Auf der anderen Seite lassen sich durch Data Mining aber auch sehr genaue Verhaltensprofile von Internetnutzern erstellen. In einigen Fällen wurde Data Mining auch schon zur Verbrechensaufklärung genutzt - wobei die Autoren betonen, dass durch diese Technik auch leicht Unschuldige in Verdacht geraten können. Der Großteil der restlichen Arbeit befasst sich mit der Problematik des Plagiierens, das vor allem durch das Internet bequem und einfach geworden ist. Stichproben zufolge enthalten etwa 30% aller studentischen Arbeiten gestohlene Textstücke, in manchen Fällen wurden ganze Diplom- oder Magisterarbeiten abkopiert. Die Universitäten versuchen, durch Plagiatedetektionssoftware gegenzuhalten, die sich aber mit geringem Aufwand überlisten lässt: Aus anderen Sprachen übersetzte oder aus Büchern kopierte Texte bleiben meist unentdeckt, in vielen Fällen reicht auch schon das Austauschen eines Teils der Wörter gegen Synonyme. Zudem sind die Detektionsprogramme einer Google-Suche häufig unterlegen. Da Google aber die Anfragen pro Nutzer begrenzt, lässt sich über die Suchmaschine kein Werkzeug für das Entdecken von Plagiaten entwickeln. Die Autoren schlagen mit großer Detailgenauigkeit verschiedene Ansätze vor, um das Problem in den Griff zu bekommen: Generell kann eine Text- und Wortschatzanalyse die unterschiedliche Autorenschaft einzelner Textpassagen aufdecken, auch wenn der Originaltext nicht vorliegt. Um das Problem der übersetzten Plagiate zu lösen, könnte ein optimiertes Suchtool den Inhalt eines Textes in standardisierter Form auf Englisch abspeichern. Zur Überprüfung einer neu vorgelegten Arbeit wird diese durch eine Software mit anderen Arbeiten des gleichen Themengebietes verglichen. Zu einigen der Ansätze existierte bereits bei Veröffentlichung der Studie ein Prototyp. Doch die Autoren weisen auch darauf hin, dass das Aufdecken von Plagiaten nur ein Teil des Konzepts sein kann und es am wirkungsvollsten ist, schon die Entstehung von Plagiaten zu verhindern. Dazu soll vor allem das Problembewusstsein verstärkt werden, das an vielen europäischen Universitäten in deutlich geringerem Maß als an amerikanischen oder auch britischen vorhanden ist. In Abschnitt 14 findet sich noch ein hochinteressantes Konzept für eine proaktive Suchmaschine, die einen im Entstehen begriffenen Text analysiert und selbsttätig Informationen zum entsprechenden Themengebiet aus dem Internet sucht und anbietet. Auf diese Art soll das langwierige aktive Suchen des Benutzers im Internet in weiten Teilen überflüssig werden. Die gesamte Arbeit von Hermann Maurer und seinen Co-Autoren liegt in englischer Sprache vor.
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| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 15:01 Uhr |
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